Gelesen: "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler

Ist es ein gutes Leben, das Robert Seethaler in seinem jüngsten Buch beschreibt? 

Betrachtet man die Fakten, die der Autor in Beobachtungen, Rückblenden und Zeitsprüngen ausbreitet, könnte man zu einem klaren „Nein“ gelangen. Seethaler erspart dem Leser nichts: nichts von den Demütigungen, Fremdbestimmungen und Katastrophen, nichts von der Schwere, der Einsamkeit und der Unvollständigkeit, in der das Leben seines Helden Andreas Egger endet.

Wieso hinterlässt dieses einfache, wortkarge und mühevolle Leben eines Außenseiters in der Berg-Welt von gestern dennoch einen so tiefen Eindruck? Warum hat dieses dünne Buch mich berührt, obwohl ich kaum biografische Berührungspunkte zu diesem Leben habe?

Die Schönheit (auch des Lebens) liegt immer im Auge des Betrachters. Und genau das schafft Seethaler. Uns mit den Augen von Andreas Egger sehen zu lassen. In ein Leben hinein, das es zu leben galt, weil Egger hineingeboren wurde. Er lebte dieses seine Leben konsequent und klaglos. Das verschafft ihm zunächst Respekt. Ich ertappe mich im Verlauf der Lektüre dabei, Andreas Egger nicht mehr zu wünschen, endlich nach der nächsten Lebenskurve das Glück zu finden, das ihm doch zusteht nach vielen erlebten Entbehrungen. Ich beginne zu erspüren und mich darauf einzulassen, was trotzdem ist.

Das Leben dieses Außenseiters entwickelt im Verlauf seine eigene Poesie, weil Seethaler darüber erzählt, wie er erzählt. Schlicht. Ohne Umschweife. Ohne Beiwerk. In Zusammenhängen, wie sie Leben erst am Ende selbst herstellen kann. Wir erfahren viel über Heimat, Liebe und Zufriedenheit. Und wir erfahren viel über uns selbst.

Eine beeindruckende Lebenschronik, die viel mehr für uns bereithält, als die Geschichte eines Lebens.

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben, Goldmann, 9,99 Euro, ISBN 978-3-442-48291-7 

Neues Schreibweisen-Programm 2018

Das Warten für alle Schreibneugierigen hat bald ein Ende. In diesem Jahr werden wieder neue thematische punkt.sache Schreibwerkstätten und Ateliers stattfinden. Das neue Programm entsteht gerade. 

 

Rezensiert: Den Menschen als Ganzes sehen

Wie Mitarbeitende in Pflegeheimen Biografiearbeit erleben und beschreiben 

Mit viel Praxiskenntnis und Herzblut machte sich Charlotte Berendonk an die Arbeit, eine Forschungslücke der Biografiearbe mit Menschen mit Demenz zu schließen. Die examinierte Altenpflegerin und Pflegeforscherin legte in ihrem Buch die Ergebnisse ihrer eigenen empirischen Untersuchung in verschiedenen stationären Pflegekontexten vor. Ich durfte ihr Buch rezensieren. Ich freue mich über Ihre Kommentare bei www.socialnet.dehttp://www.sozial.de

 

Gelesen: Eine Hand voller Sterne von Rafik Schami

Die Stadt Köln stellte 2015 für ihre Aktion "Ein Buch für die Stadt" ein 1987 erschienenes Buch in den Mittelpunkt. Der syrisch-deutsche Schriftsteller lässt mit "einer Hand voller Sterne" den Bäckerjungen aus Damaskus zu Wort kommen, für den das Schreiben und Erzählen etwas Elementares bedeuten. Vor allem die phantasievollen Geschichten seines Onkels prägen ihn und helfen ihm bei seinen Entscheidungen auf dem Weg zu einer eigenen Identität. Er führt drei Jahre lang Tagebuch, will über alles schreiben: über die bunte Alltäglichkeit in einem armen Stadtteil der syrischen Hauptstadt, dem Schmelztiegel der Kulturen; über seine Freunde, seine Familie, sein Herauswachsen aus Kinderschuhen und die erste Liebe, die sich verstecken muss, aber auch über sein keimendes Aufbegehren gegen Ungerechtigkeiten.

Rafik Schami erzählt uns die Geschichte von einem, der seinen Traum, als Journalist mit dem Stift in der Hand gegen alles Unrecht vorzugehen, ideenreich und zielstrebig nachgeht, selbst nachdem sein Vater ihn von der Schule genommen hatte.

Mal schimmert aus dem Buch orientalische Lebensfreude, mal erschreckt die Alltäglichkeit von Willkür und Terror. Immer wieder überrascht der Einfallsreichtum der Menschen, sich der Unberechenbarkeit und ständigen existenziellen Bedrohung durch Armut oder politische Verfolgung zu stellen. Mit der Handvoll Sterne leuchtet vor allem die Kraft, Zuversicht und Würde der so genannten kleinen Bürger, jenen also, die auch heute im grauenhaften syrischen Bürgerkrieg zwischen den Interessen zerrieben werden und die fliehen, wenn sie können...

Das Buch ist 1987 erschienen im Beltz Verlag, ISBN  078-3-407-78701-9

 

Eigene Melodien, Texte und Spielideen liebevoll in einem Buch präsentiert

Cover: Sing und spiel mit mir

Man könnte sagen, dieses Liederbuch ist aus der Praxis für die Praxis entstanden. Von einer Erzieherin für ErzieherInnen. Man könnte auch darüber sagen: Da teilt eine ihren Schatz, ein poetisches Lebenswerk, das aus vielen Jahren intensiver Begegnung mit Kindern im Kindergarten entstanden ist. Hält man das 172-seitige Buch in den Händen, neigt man eher zur zweiten

Die eigenhändigen IlIustrationen mit über 120 Scherenschnitten, die liebevolle Gestaltung, die in mehrjähriger Zusammenarbeit mit einem befreundeten Buchgestalter gewachsen ist, macht das Buch auch zu einem besonderen Geschenk.

40 Lieder, 24 Singspiele sind ein Fundus für alle, die gern mit Kindern singen, tanzen und spielen. Notenkenntnisse sind nicht notwendig. Auf einer mitgelieferten CD sind die instrumentalen Begleitungen eingespielt. 

Erhältlich ist das 2014 erschienene Buch in der ersten Auflage auch mit einem passenden Schutzumschlage, der den täglichen Gebrauch erleichtert.

Mehr Informationen und das Buch erhalten Sie bei der Autorin selbst: Eva von Hessert, e-mail: eva.v.hessert@gmx.de, Tel. 0561-64290                                             

 

Schreiben ist lebensnotwendig? Erfolgreiche Autoren über ihre Schreibmotive

Was preisgekrönte Autoren bewegt, hat die Zeitschrift „Psychologie heute“ gefragt. In offenherzigen Interviews gaben 15 bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Hanns-Josef Ortheil oder Felicitas Hoppe über ihre Schreib-Motive und ihre literarischen Themen Auskunft. Im vergangenen Jahr wurden die einzigartigen Selbstportraits zu einem Buch zusammengefasst und im Beltz-Verlag veröffentlicht.

Gelernt habe ich: Schreibwege sind immer auch Lebenswege und damit etwas sehr Persönliches. Universell dagegen erscheint die Kraft, die dem Schreiben innewohnt. Immer war es diese Kraft, der sich die gefragten Autoren furchtlos anvertrauen und hingeben konnten, um etwas zu erfahren, zu durchdringen, zu verarbeiten. „Ach, guck mal“, möchte man ihnen zurufen, „Ihr also auch.“ So wundert auch nicht der Titel des schmalen Bändchens, das es im wahrsten Sinne des Wortes „in sich hat“: Wenn ich schreibe, habe ich niemals Angst.

Es bietet überraschende und motivierende Einblicke in literarisches Schaffen, mit feinsinnigen Gedanken und Worten und so manchem Buchtipp für das Jahr 2015. Am Ende jedes Interviews stehen die wichtigsten Veröffentlichungen der/des Interviewten.

Ursula Nuber (Hg) "Wenn ich schreibe, habe ich niemals Angst", der literarische Blick auf die großen Themen des Lebens", Beltz Verlag 2013

 

21 - Erinnerungen an das Erwachsenwerden

29.8.2014 Der Typ im besten Alter, der sein 21. Lebensjahr unter "ultraviel LSD-Einfluss" erlebt hat, die alte Dame, die im gleichen Lebensjahr fast bei einem Fliegerangriff gestorben wäre, die junge Pianistin, die sich in Ihrer Pariser Studienzeit so einsam, wie nie zu vor und auch danach nicht gefühlt hat: Sie alle erzählten dem Journalisten und Künstler Mats Staub, was sich in dem Jahr für sie ereignet hat, als sie 21 Jahre alt geworden sind. Die Erzählenden reflektieren ihr Erwachsenwerden. Nach dem Interview verdichtet Mats Staub das Gesagte, spielt es den Frauen und Männern noch einmal vor und filmt sie dabei. Den Schlusspunkt der jeweils etwa 15-minütigen Filmsequenz setzt ein persönlicher Kommentar des Protagonisten.

Wunderbare Portraits der Wirklichkeit entstanden auf diese Weise.

Seine Idee setzt Mats Staub mit Menschen aus aller Welt fort, der Schatz an Lebensgeschichten wird laufend größer. So wird möglicherweise ein beeindruckendes Zeugnis der Lebenswirklichkeit im 20. und nun auch 21. Jahrhundert entstehen. Mats Staub war bereits in mehreren Städten mit seinem Erinnerungsprojekt 21 zu sehen, derzeit in Weimar.

Ein Appetithappen ist hier zu sehen und zu hören: vimeo.com/65126009

 

Umgewidmet: Vergessene Fotos

Im kleinen Weimarer Laden von Anke Heelemann bekommen private Fotografien, die keiner mehr haben möchte, ein zweites Leben. Die Mediengestalterin stöberte dafür auf Dachböden, in Schuhkartons oder auf Flohmärkten. Die kleinen oder großen Schwarz-Weiß-Bilder, scharf oder unscharf, mit glatten oder gezackten Rändern, werden von ihr thematisch oder nach Motiven neu sortiert und bekommen fernab ihrer ursprünglichen privaten Bedeutung eine ganz neue Widmung.

Ich zögere mit dem Griff in eine der vielen Fotokästen, in die die Hinterlassenschaften fremder Menschen sortiert sind. Die Kostbarkeit einer Fotografie kann man in der heutigen Zeit der Bilderinflation und digitalen Kameras gar nicht mehr richtig bemessen. „Schauen Sie nur“, sagt Anke Heelemann, „ich nenne es die Aneignung des Fremden.“ Ich staune, wie vielseitig so eine Aneignung des Fremden hier im Laden sein kann.

Bilder können entliehen oder sogar in Patenschaft genommen werden. Im Laden kann auch ein analoger Bildergruß hinterlegt werden, der dann von dem oder der Bedachten abgeholt wird. Eine Reihe von Kunstaufträgen im öffentlichen Raum entstanden bereits mit Motiven der Sammlung. Selbst mit einem Bauchladen voller Fotos ist Anke Heelemann in Deutschland öfter für ihr Kunstprojekt unterwegs.

Besonders gefallen hat mir die Idee „Bild des Monats“. Es steht im Schaufenster. Besucher verfassen kleine Texte dazu, der schönste kommt in die Bildergalerie – wohlgemerkt eine Bildergalerie im Internet mit bereits 175 umgewidmeten Fotos.

Mehr über die ungewöhnliche Idee: www.vergessene-fotos.de

 

253 Bücher, die das Leben verbessern?

4.1.2014 Zwei sympathische Autorinnen haben ein unterhaltsames Buch mit dem Titel „Romantherapie“ geschrieben. Sie schlagen darin in genussvoll zu lesenden Texten 253 Bücher für ein besseres Leben vor. Die Autorin und Moderatorin Cordula Stratmann zeigt sich in der Rezension in dem Magazin Psychologies ganz begeistert davon. Endlich sage es mal jemand: „Der richtige Roman hilft immer.“
Wohl dem also, der ein gut gefülltes Bücherregal von A bis Z hat? Könnte es demnächst die Hausapotheke ersetzen, bei Zahnweh, Hoffnungslosigkeit, zu wenig, oder zu viel Liebe? Wenn man nur ins richtige Fach, pardon, nach dem richtigen Rezept greift?

Ich persönlich gehe sogar einen Schritt weiter, weil ich etwas Eigenartiges entdeckt habe: Bereits der Griff in den persönlichen Bücherschrank oder ins Regal der Buchhandels oder der Bücherei scheint für mich immer gerade der richtige zu sein, selbst wenn ich nicht nach einem konkreten Titel suche. Immer stoße ich in dem Buch, das mich gerade anspricht, auf Worte, Sätze, Gedanken oder Bilder, die mich jetzt überraschen, jetzt passen, jetzt weiter bringen. Das fasziniert mich seit langem.

Wenn man nicht gerade geheimnisvolle Bünde dahinter wittert, drängt sich die Frage auf: Sollten Bücher womöglich nicht nur Linderer von isolierten Leiden sondern sogar als Universalmedikamente einsetzbar sein? Sollte ihr Wirkstoff gar die poetische Sprache selbst sein? Ist sie es vielleicht, die uns lebendiger oder gesünder macht, weil sie sich mit uns verbindet und nicht von uns und unseren Sehnsüchten distanziert, wie es oft die Alltagssprache tut?

Mit einem guten Buch im Sessel, auf dem Sofa oder im Bett machen wir uns nach Hause auf oder zu fremden Welten in uns. Poesie kann uns entführen, verführen, führen, durchführen. In jeder noch so schwierigen Lebenssituation.

Die Romantherapie. 253 Bücher für ein besseres Leben, Ella Berthoud, Susan Elderkin mit Traudl Bünger, Insel

 

Erinnerung an Peter Kurzeck: Schreiben jenseits der Zeit

20.12.2013 Der unstillbare Drang nichts zu vergessen machte ihn zum einzigartigen Protokoll-Poeten von Alltag: Mit der ihm eigenen, ja eigenwilligen Sprache und unverwechselbarer Erzählkunst breitete er erlebte Gerüche, Geräusche, Berührungen und Augenblicke vor uns aus, zog uns hinein in Momente jenseits der Zeit. Jede noch so unscheinbare Einzelheit schien er festzuhalten müssen und traf dabei am Wegesrand auf das Wesentliche.
Und wenn er diese so entstandenen Texte auch noch selbst las, konnte das geradezu weltverändernd sein. Sprachweltverändernd, wie ich im Literaturhaus Köln vor ein paar Jahren erlebt habe. Die Begegnung mit dem großen atemlosen Erzähler Peter Kurzeck wird als ein einmaliges Erlebnis in meiner Erinnerung bleiben. Denn er lebt nicht mehr. Die Nachricht von seinem Tod ließ mich vor wenigen Wochen wieder zu dem Hörbuch „Stuhl, Tisch, Lampe“ greifen, das ich an jenem Abend in Köln nach seiner Lesung unbedingt haben musste, natürlich von ihm signiert.
Mit dem Hören kommen die Erinnerungen. Kurzeck lässt uns in eine Dichterlesung aus der Perspektive des Vortragenden eintauchen und bis auf seinen Grund schauen. Wenn er liest, wie er liest.

Er spricht über sich und sein Leben, das Leben eines Vertriebenen, eines Schmerzbewältigers, eines Rastlosen und Sehnsüchtigen. Wie kein anderer hat er seine eigene Lebensgeschichte zu einem literarischen Gesamtkunstwerk gemacht und ist mitunter sogar dafür anvantgardistische Wege gegangen. Mit „Ein Sommer, der bleibt“ erzählt Kurzeck von den Jahren seiner Kindheit - ohne Manuskriptvorlage. Ein Hörbuch entstand mit der seltenen Möglichkeit, hörender Zeuge von Literaturentstehung zu werden. Man liest, er sei ein großer Alltags-Chronist dieses Jahrhunderts gewesen.

Man liest auch, er hörte es nicht gerne. Ich könnte es verstehen. Ich glaube nicht, dass ihm der TAZ-Titel „radikaler Biograph“ besser gefallen hätte. In meiner Erinnerung bleibt Kurzeck der Alltagspoet. Sein großer autobiografisch geprägter Romanzyklus „Das alte Jahrhundert“ bleibt nun unvollendet. Gehört das nicht auch zur Poesie des Lebens?

Peter Kurzeck: Stuhl, Tisch, Lampe. Köln 2004 (Hörbuch CD), Ein Sommer, der bleibt. Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzähler: Peter Kurzeck. Berlin 2007. (4-CD-Box)

Luftwurzeln, Ermutigung für Hobbyautoren und ein Freundschaftspakt

...Das Wort „Luftwurzel-Literatur“ zum Beispiel. Luftwurzelautoren haben im Bremer Sujet-Verlag ihre Heimat gefunden. Als Bewohner „zweier Welten“ veröffentlichen Exilautoren ihre grenzüberschreitende Literatur hier. Was der iranische Verleger daraus macht, nimmt man schon wegen des buchkünstlerischen Anspruchs gerne in die Hand. Madjid Mohit, selbst ein Wanderer zwischen vertrauten und fremden Kulturen mit erklärten Luftwurzeln in Deutschland, möchte den bereichernden Aspekt des Exils in den Vordergrund seiner Verlagsarbeit stellen: Luftwurzeln, habe ich von ihm gelernt, sind die Wurzeln. die genährt werden durch die Gegenwart von Menschen, durch Begegnungen, Erlebnisse, Erfahrungen, da, wo man zu Hause ist. Mehr unter www.sujet-verlag.de

Zu meinen Entdeckungen gehören auch die Frankfurter Leseproben aus dem Literareon-Verlag – der Auswahlband des Verlages zur Frankfurter Buchmesse, mit dem traditionell ein Querschnitt durch die Bandbreite gezeigt wird. Die Leseproben als Anthologie von Kurzgeschichten verstehe ich auch als eine Ermutigung für Hobbyautoren. Sie können dafür an einem Kurzgeschichtenwettbewerb mit  Jahresthema teilnehmen, 2013 entstanden so Texte  über das „SCHICKSAL“.

Menschen setzten sich schreibend mit ihren Ängsten, mit schicksalhaften Gedanken und Momenten auseinander – verdichtet auf zwei DINA4-Seiten. Neben einer kostenlosen Veröffentlichung im Jahresband winkten ihnen auch kleine Preise, nicht selbstverständlich in dem Geschäft, in dem sich neue Autoren immer häufiger selbst teuer einkaufen oder vermarkten müssen.

Wer Lust hat, zum Thema der kommenden Jahres „gefangen“ einen Beitrag einzureichen, findet mehr Informationen unter www.literareon.de

Zu einer anderen Entdeckung nötigt mich eine Stimme, die mich direkt anspricht. Die dazu gehörenden Hände zeigen mir ein Hörbuch mit dem Titel „Der Goethe & Schiller-Pakt“, entstanden nach über 200 Vorstellungen als Theaterstück und gesprochen von den Schauspielern Frederik Beyer und Mark Pohl. Ich gestehe, der Stimme konnte ich nicht widerstehen. Zu Hause tauchte ich in die hochliterarischen , etwas staubig anmutenden Dialoge zweier Genies, hörte einmal, zweimal, dreimal, und hörte mich so ein in völlig unverstaubtes Gedankengut: die Entstehung einer Freundschaft zweier so ungleicher gleicher Männer und staunte nicht schlecht, als ich erkannte, dass es ohne diese Freundschaft möglicherweise weder den Faust noch die Kabale & Liebe gegeben hätte. Eine Frage blieb danach: Suchen und pflegen wir immer die Freunde und Förderer, die unsere eigene Kreativität beflügeln und ihr, wenn es nötig wird, den richtigen Tritt in den Allerwertesten verschaffen?

Kennen Sie den LEA-Leseklub?

LEA-Leseklub ist ein Lesekreis für Erwachsene mit und ohne Behinderung. Sie treffen sich einmal in der Woche zum gemeinsamen Lesen. Die Treffen finden in einem gemütlichen Café statt.

Die Idee der LEA-Leseklubs kommt aus den USA. Dort heißen die Leseklubs « Next Chapter Book Clubs ». Heute gibt es in den USA über 200 « Next Chapter Book Clubs ». Anke Groß-Kunkel hat die Leseklub-Idee mit nach Deutschland gebracht. Gemeinsam mit Prof. Dr. Barbara Fornefeld von der Universität zu Köln wurde das amerikanische Modell an Deutschland angepasst. Aus den « Next Chapter Book Clubs » wurden die LEA Leseklubs.

Jeder kann mitmachen!

Mehr Informationen unter www.kubus-ev.de/lea-leseklub/

 

Gelesen: Virginia Woolf - Leben & Schreiben

Ein schmales und umso eindringlicheres Bändchen der Büchergilde Gutenberg ist mir unlängst in die Hand gefallen. Es hat mich mit in die rückhaltlose Auseinanderstzung der bahnbrechenden Autorin des 20. Jahrhunderts, Virginia Woolf, genommen. Ich habe etwas darin erfahren über ihren gesellschaftlichen Kosmos - das Britische Empire, über ihre Zwänge,  gesundheitlichen Einschränkungen und die damit verbundenen Ängste. Ihre Stimmungen und Betrachtungen, aus ihren Tagebüchern und Esseys von Herbert M. Debes ausgewählt, sind Zeugnisse einer zeitlebens Suchenden als Autor und als Mensch. "Es ist dieses Schreiben, das mir meine Proportionen gibt.", offenbart sie darin im Dezember1930.

Virginia Woolf, Leben & Schreiben - Stimmungen und Betrachtungen, Büchergilde Gutenberg Frankfurt, 2003, 96 Seiten, ISBN: 376325367X