Ein Film zum 100. von Ingeborg Bachmann
Die oskarnominierte Schauspielerin Sandra Hüller nähert sich in diesem Dokumentarfilm aus Anlass des 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt ein Tag, so wie Ingeborg Bachmann ihn in ihrer letzten Zeit in Rom verbracht haben könnte. In einer Wohnung, wie sich Regisseurin Regina Schilling, die letzte Wohnung der Bachmann vorgestellt hat, inklusive Wiener Charme.
Ich bin in Lünen bei der Premiere dabei, Regina Schilling beantwortet Fragen des Publikums.
Jeder Platz ist besetzt. Im Festivalkino Menschen, die wegen der Bachmann gekommen sind, aber auch Menschen, die die Hüller sehen wollten und die Bachmann entdeckt haben.
Ihre Worte werden in assoziativen Szenen, Archivmaterial und in der einzigartigen Sprache der Bachmann lebendig. Keine Worte einer Einhundertjährigen, sondern aktuell verpflichtende Worte:
„Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar.“
Bachmann begann ihre eigenen Worte zu schreiben, weil ihr keiner Worte gegeben hat, die sie gebraucht hätte. Auch dieses berühmte Zitat von ihr nimmt uns mit in die unglaubliche Geschichte eines Mädchens, das kurz nach II. Weltkrieg ihre völlig zerstörte Heimatstadt verlässt, um ihr Leben lang zu schreiben. „Wenn ich nicht schreibe, existiere ich nicht,“ hat sie einmal gesagt.
Ich sehe einen ungewöhnlichen Film, vielleicht ein bisschen schwere Kost wie Bachmanns Werk an vielen Stellen selbst. Aber von einer anziehenden Poesie. Die Hüller spielt darin nicht die Bachmann, sondern nähert sich ihr an, stellt sich ihr zur Verfügung, hört ihr zu.
Es gab kein Drehbuch, sondern ein aufeinander Zugehen beider außergewöhnlicher Frauen, auch wenn man eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit nicht übersehen kann. Regina Schilling hat die Hüller machen lassen, wie sie sagt. Und so nehmen uns beide mit, zwei Freigeister, konsequent ihren eigenen Weg gehend. Zugleich offen und geheimnisvoll. Und vielleicht deshalb so faszinierend.
Zu Hause angekommen habe ich meinem alten Bachmann-Band von Piper mit Gedichten, Erzählungen, dem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ und Essays aus dem Regal genommen und zu blättern begonnen und noch einmal ihren Roman „Malina“ bestellt. Eine längst fällige Wiederentdeckung.
Zum Filmtrailer
https://www.youtube.com/watch?v=sdNx8uI3TMc
Über das jährliche Kinofest Lünen
https://kinofest-luenen.info